Klönschnack

Köpfe aus Eversten

Mona Körber

Oldenburger Straßenengel e.V.

Ehrenamt als Vollzeitjob

Man muss beileibe nicht täglich im Beruf mit der Not anderer Menschen konfrontiert sein, um sich für die Belange der Schwächeren einzusetzen. Mona Körber beispielsweise hatte nach dem Schulabschluss zunächst auf den ersten Blick nichts mit sozialer Not zu tun – und ist heute eine wichtige Stütze der Oldenburger Straßenengel, einer Hilfsorganisation für Obdachlose.

„Schon in der Schule konnte ich Ungerechtigkeit nicht leiden“, erinnert sie sich. 1981 in Oldenburg geboren, machte sie später ihr Fachabi am Alten Gymnasium. Es folgte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, danach lernte sie weiter und ließ sich zur Bankkauffrau ausbilden. Über die Station Deutsche Bank folgte der Wechsel nach Lübeck in den Bereich des Private Banking, inklusive Kontakt zu ausländischen Kunden.

„Glauben Sie nicht, dass man in diesem Beruf nicht mit Nöten konfrontiert wird“, stellt Mona Körber, die mit ihrer Familie in Eversten wohnt, klar. „Für viele ist es knapp, oft genug gibt es große Probleme bei den Krediten“, nennt sie ein Beispiel. Der Idee, dass soziales Engagement nur dann entsteht, wenn der direkte Kontakt dazu existiert, erteilt sie eine klare Absage. „Das wirft auch ein falsches Licht auf ganze Berufszweige.“

Nach der Geburt ihrer Tochter verabschiedete sich Mona Körber aus dem aktiven Dienst, widmet sich der Betreuung des Nachwuchses. Beruflich bleibt sie am Ball: als selbständige Übersetzerin. Vor etwas mehr als fünf Jahren beginnt ihr Engagement im Ehrenamt. Zunächst in der Flüchtlingshilfe, dann liest sie einen Aufruf auf Facebook. Es werden Mitstreiter bei einem Projekt zur Unterstützung von Obdachlosen gesucht.

Mona Körber wirkt hier mit viel Aufwand mit, findet trotz der Herausforderungen Spaß an der Tätigkeit. Im Herbst 2019 ist die Zeit für etwas Neues gekommen; gemeinsam mit weiteren Mitstreitern hebt sie die Oldenburger Straßenengel aus der Taufe. „Wir sind mit einer großen Weihnachtsaktion gestartet“, blickt sie auf diesen Auftakt zurück, der auf große Resonanz stieß. An der Wichtigkeit der Hilfe kann aus ihrer Sicht kein Zweifel bestehen: „Die Zahl der Obdachlosen in der Stadt steigt rapide an.“

Mit ihrem Team versorgt sie die Bedürftigen mit Bekleidung, Mahlzeiten und Getränken. Eine längst etablierte Institution sind die Straßenengel geworden, ein fester Anlaufpunkt auch für das eine oder andere Gespräch, das sonst oft zu kurz kommt. Notfallsets inklusive Zelt stehen bereit, eine warme Mahlzeit zum Mitnehmen gehört auch zu einem der vielen Angebote. Dort werden auch wöchentlich die jeweils immer neu gefüllten Taschen mit Lebensmitteln ausgegeben. Allerdings: In Zeiten von Corona ist die Arbeit deutlich schwieriger geworden. Es gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen.
„FFP-2-Masken sind bei uns schon lange Standard“, sagt Mona Körber.

Als bewährte Einrichtungen wie die Tafel oder der Kältebus im Rahmen der Präventionsmaßnahmen zwischenzeitlich pausieren müssen, passen die Straßenengel ihr Angebot an. So werden auch mehrere Menschen mit Lebensmitteln versorgt, die sonst die Tafel aufsuchen. Sogar an die städtische Notunterkunft liefern die Straßenengel Lebensmittel. In Krisenzeiten sind grundsätzlich neue Ideen gefragt. Dank der Kooperation beispielsweise mit der Oldenburger Spendengruppe, die sich auch um die Spendenboxen in Supermärkten kümmern, gelingt es zumindest in Teilen, die ausbleibenden Hilfen zu kompensieren. „Nichts tun geht nicht, gerade in dieser schwierigen Phase, in der andere ihre Angebote zwangsweise einstellen müssen“, stellt Mona Körber klar.

Die Oldenburgerin ist ihrer Leidenschaft für Sprachen bis heute treu geblieben. „Da lerne ich gerne immer wieder was Neues kennen“, sagt sie lachend. Entspannen kann sie am besten beim Lesen oder mit Musik – „einfach mal die Seele baumeln lassen“, wie sie es nennt. Und das ist zwischendurch tatsächlich nötig, denn das ehrenamtliche Engagement hat längst den Umfang einer Vollzeitbeschäftigung angenommen.

Übrigens: Dass Berufe ohne direkten Bezug zu sozialem Engagement eine Art Hindernis beim eigenen Einsatz darstellen könnten, dafür liefern die Oldenburger Straßenengel einen deutlichen Gegenbeweis: „Bei uns wirken Menschen aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern mit. Banker, Angestellte in kaufmännischen Berufen oder Menschen, die im Bauwesen tätig sind, um nur einige zu nennen“, sagt Mona Körber.

Wer mehr über die Arbeit der Oldenburger Straßenengel erfahren möchte, kann sich hier informieren:

www.strassenengel-ol.de
www.facebook.com/oldenburger.strassenengel
www.instagram.com/oldenburger_strassenengel

 

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